Mittwoch, 20. Juli 2011

360-Grad-Sicht, die

Beispiel

  1. Vertriebsprofi Gerald Hummel teilte Kollege Walze mit: "Wir brauchen eine 360-Grad-Sicht auf unsere Kunden. Besorg uns mal zeitnah aussagekräftige Profile"

 

Definition

  • Alle Informationen (zu einem Kunden) im Blick haben

 

Anmerkung

  • Meist im Vertriebskontext verwendete Redewendung. Heißt im Extremfall: Wir wissen überhaupt nicht, wer unsere Kunden sind und Kollege Walze soll alle Informationen sammeln, die er über Xing, Facebook etc. bekommen kann. Kann gegenüber der Geschäftsleitung verwendet werden, um zu bekunden, dass man bereit ist, sich strategisch notwendige Informationen, auf welchem Weg auch immer zu beschaffen
  • Verwandte Redewendung: Das 360-Grad-Feedback

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Dienstag, 19. Juli 2011

Besinnliches von der Bench

Beraten zu werden ist ein Volkssport geworden. Für alle Fälle gibt es Angebote. Wir wissen nicht mehr, wie man isst, wie man lernt,wie man Hunde, geschweige denn Kinder erzieht. Einen guten Ratschlag können wir spielend von einer fundierten Analyse unterscheiden. Auch wenn der bezahlte Helfer denselben Sachverhalt nur anders ausdrückt. Mit der zitierfähigen Expertise im Rückenwerden wesentliche Dinge des privaten und öffentlichen Lebens entschieden.  Der Berater und seine viel gescholtene Kaste versinnbildlichen unsere kleinen und großen Mängel. Es verwundert daher nicht, dass sieoft viel Unmut auf sich zieht. Dabei ist jedem Berater klar, dass seine Tätigkeit immer auch Auswirkungen auf sein eigenes Leben hat.Er lebt natürlich davon das Geschäftsfeld zu erweitern und dort Nachfrage zu generieren wo bisher keine vermutet wurde. Dabei fällt ihm zuerst auf, wenn  Begrifflichkeiten seines beruflichen Lebens auch in anderen Lebensbereichen zur Verwendung kommen.  Es gibt Kollegen, die dieses Phänomen als Seuche beschreiben. Sie injizieren ein Sprachvirus in ihre berufliche Flora und Fauna undwährend sie sich noch über die schnelle Verbreitung in ihrem professionellen Leben freuen, begegnet ihnen im alltäglichen Leben einemutierte Variante, die ihnen Angst macht. Man muss kein Linguist sein, um zu verstehen, dass  einzelne Worte nur in ihrem Anwendungsgebiet unter bestimmten Bedingungen Sinn ergeben.  Ein Pionier der linguistischen Forschung, der Amerikaner Benjamin Lee Whorf, prägte mit seinem Mentor Edward Sapir die Ideeder linguistischen Relativität. Auch wenn große Teile seiner Forschung heute widerlegt sein mögen, so betrifft die Tatsache, dass erseinen Lebensunterhalt als Versicherungsexperte für Brandschutz verdiente und gleichzeitig über die Sprachen der IndianerNordamerikas forschte, doch ganz treffend unser kleines Dilemma. Die Sprache, die wir sprechen wird geprägt von der Welt in der wir leben, wir sind immer auch Gefangene unserer eigenen Sprache. Ein Versicherungsexperte für Brandschutz wird kaum einenIndianerstamm beraten können. Oder um es etwas einfacher zu halten, wenn Vokabular der betriebswirtschaftlichen Beratung in dieEheberatungstipps der Brigitte einfließt, wird der ein oder andere verheiratete Consultant auch mal über seinen beruflichen Erfolgfluchen.  Die Sprache des Beraters bildet auch nicht selten gesellschaftliche Trends ab, die erst einige Zeit später voll zur Geltung kommen. Das oft verhöhnte Denglisch und die neuere Variante englische Begriffe einigermaßen sinnentstellend ins Deutsche zu übertragen,kamen in Mode als die Diskussionen über Deutschland und das Deutschsein ab der Jahrtausendwende bis zur WM von 2006 Konjunktur hatten. Die Beraterbranche hatte im Gleichschritt mit Phänomenen in der Popkultur und den Medien den Trend erkannt und ähnlich wie Bands wie MIA., dem Rapper Fler oder Magazinen wie Blond versucht vom Alleinstellungsmerkmal des unverkrampften Umgangs mit nationaler Identität zu profitieren. Man entdeckte alte deutsche Kräuter und Werbefirmen hießen Zum Goldenen Hirschen.   Die gefragte Beratungsfirma ist immer gezwungen wie ihre eigene Subkultur daher zu kommen.Sie soll Probleme der Zukunft schonjetzt lösen und ihre Lösungen sollen den Kunden auch für kommende Herausforderungen wappnen. Sie ist aber auch Subkultur weilsie ihre eigenen Codes und Rituale ausbildet. Auch wenn der seriöse Berater nicht wie die Girls von Harajuku im Kostüm beim Kunden erscheinen kann, so werden sie doch kaum einen treffen, der nicht auf das ein oder andere Accessoire so viel Wert legt, wie der Sänger einer hippen malayischen Reggaeband.  Die Sprache von der unser kleines Blog erzählt, folgt ihrem eigenen Diskurs. Wie schon der französische  Sprachwissenschaftler Michel Foucault wusste ist jeder sprachliche Diskurs von Ausgrenzungen geprägt.Nicht jeder darf alles äußern, nicht jeder bekommt Rederecht und wir alle wissen, mehr oder wenig gut oder schlecht, dass wir nichtin jeder Situation alles sagen dürfen.  Bei maschinell gestützten Sprachsystemen haben Administratoren die Herrschaft an sich gerissen. Jeder Forennutzer weiß , worum esbei diesen Befugnissen geht. Wenn die Anfrage nicht im korrekten Vokabular ausgedrückt wird, lässt sie sich leicht diskreditieren.Der Konkurrent dem ein gewisses Modewort noch nicht begegnet ist, kann nur vollkommen unfähig sein. Dem Kollegen, dem ein Memo nicht untergekommen ist, wird auf sein Versäumnis nur mit einer Andeutung hingewiesen, die dementsprechend alle außer ihmverstehen.  So wie Harald Schmidt einmal berichtete er habe mit dem politischen Kabarett am Kommödchen auch deshalb aufgehört,weil die berühmte Chefin Lore Lorentz immer in den Proberaum zu kommen pflegte, nur den Namen eines Politikers mit derpassenden Bewertung in Umlauf bringend;  man habe dann hektisch bei der nächsten Pause alle Zeitungen durchgeblättert, um denWitz zu verstehen und bei nächstbester Gelegenheit treffend kommentieren zu können.   Die Herrschaft über den Diskurs lässt sich für den Chef einer Beratungsfirma auch immer leicht beweisen, in dem er die Geschwindigkeit misst mit der ein von ihm in Umlauf gebrachtes Bonmot wieder aus dem Munde der Konkurrenz zu ihmzurück schallt. Hat man gewisse Administrationsrechte kann man auch einfach den Kollegen für verrückt erklären, weil er ja noch nicht die nötige Übersicht hat und seine Äußerungen nur deshalb so wirr sein können. Wir bewegen uns hier sehr schnell aufbeunruhigende Gewässer zu, die auch dem einen oder anderen Sektenaussteiger bekannt vorkommen könnten.

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Montag, 18. Juli 2011

zu Ende denken, etwas

Beispiel

  1. Berater A: „Hast Du das Memo von Kollege Walz gelesen?" Beraterkollege: "Ja, aber das scheint mir noch nicht ganz zu Ende gedacht."
  2. Junior: "Hm, das muss ich noch zu Ende denken, Senior. Gib mir nochmal fünf Minuten"

 

Definition

  • Alle Aspekte einer Umsetzung vorsehen.
  • Als Verneinung: Qualifizierung der Arbeit eines Kollegen (unter Kollgen) oder des Beraters einer Fremdfirma (gegenüber dem Kunden) als mangelhaft
  • Unterstellung mangelhafter Detailtiefe in der Planung

 

Hintergrund

  • Da der Berater häufig derjenige ist, der als letzter das Licht ausmacht, sieht er sich häufig mit Arbeitspaketen konfrontiert, die noch nicht zu Ende gedacht sind.
  • Berater sind Feingeister. Gerne weisen Sie auf Ihr Abstraktionsvermögen hin. Selbst einfache Tätigkeiten, wie das Erstellen einer Präsentation werden von einer Gedankenleistung begleitet. Dies spiegelt sich in dieser Redewendung wider. 

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Sonntag, 17. Juli 2011

zeitnah

Beispiele

  1. Projektleiter zu einem Berater im Meeting anderen: "Da fehlen doch schon wieder die detaillierten Requirements der Fachabteilung. Kollege Walz - gehen Sie zeitnah da ran, damit es Ihnen nicht wieder runterfällt."  
  2. Auch als Selbstauskunft verwendbar: "Ich erledige das zeitnah"

 

 

Definition

  • Auf der Stelle, weil es die Geschäftstleitung so möchte
  • Sobald es der Projektplan zuläßt
  • Sobald das Meeting vorbei ist
  • Irgendwann, wann es mir in den Kram paßt, Du Würstchen!

 

 

Anmerkungen

  • Zeitnah heißt meistens im Beraterslang, dass die eine oder andere Deadline bereits überschritten wurde und es jetzt um die Wurst geht. Wenn Dir Dein Projektleiter schreibt, "XY möglichst zeitnah zu erledigen", weißt Du, was die Projektglocke geschlagen hat.
  • Mit „ich erledige das zeitnah“ demonstriert der Berater, dass  er souverän mit Unwägbarkeiten in der Kurzfristplanung umzugehen weiß. Die inhaltlich nahestehenden Begriffe „bald“ oder „gleich“ hingegen, klingen eher unsicher und reaktiv.  

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Mittwoch, 13. Juli 2011

verbrannt, sein

Beispiel

  1. Ein Silberrücken, d.h. grauhaariger, sprich sehr erfahrener Seniorberater an das Team: "After-Sales-Service ist bei der Nullianz verbrannt. Herr Walze aus der Verwaltung ist sauer auf unseren Vertrieb. Wir müssen uns auf eine andere Sprachregelung einigen."  
  2. Tag1 -> Kunde fährt aus seiner Haut: "Verdammt nochmal reden Sie nicht immer von Problem! Wir haben keine Probleme, nur Herausforderungen." Tag2 -> Senior zum Junior: "Problem als Begriff ist verbrannt. Wir haben hier die Sprachregelung Challenge."

 

Defintion

  • Ein Begriff oder ein Thema, der, bzw. das beim Kunden nicht mehr verwendet werden kann, weil er oder es dort bereits auf Unbill gestossen ist.

 

Hinweis

  • Ein sehr wichtiges Signalwort unter Beratern! Hier wird kommuniziert, dass ein Begriff oder ein Wort bereits vom Kunden mit einer negativen Konnotation besetzt ist. 
  • Es soll auch schon Berater gegeben haben, die verbrannte Erde hinterlassen haben

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Dienstag, 12. Juli 2011

kein Thema sein

Beispiele

  • Projektleiter zum Junior: "Schlau Dich die nächsten Wochen mal über XY auf!" Junior: "Kein Thema!"
  • Bankkunde zum Berater: "Die Implementierung eines Basel-II-konformen Risikomanagement ist bei uns im Hause kein Thema." Berater: "Ahaa?"
  • Berater auf Verkaufspfaden zum Kunden: "Wie siehts denn aus mit XY?" Möglicher Kunde: "Ist kein Thema hier!"
  • Berater zu anderem Berater:"Was, Du hast noch keine individuellen Ziele mit der Geschäftsleitung vereinbart?" Anderer Berater:"Nee, das war bisher kein Thema für mich."

 

Definition

  1. Keine Bedeutung haben.
  2. Nicht auf der Tagesordnung stehen.
  3. Kein Problem sein.
  4. Wird gemacht / Bestätigung / confirm / acknowledge / roger

 

Bemerkungen

  • "Kein Thema sein" kann je nach Kontext positiv oder negativ gemeint sein. Die Kurzform "Kein Thema!" bedeutet meistens Bestätigung. Wenn davor oder danach weitere Worte angeordnet sind, wird es problematisch.
  • "Nicht Thema sein" ist dagegen eine andere Sache und hat etwas mit Agendasetting zu tun.
  • Der Lösungsfokus ist entscheidend dafür, ob etwas Thema ist oder nicht

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ins Boot holen, jemanden

Beispiel

  1. Leader der SAP-IT-Berater-Truppe: "Wir können derzeit keine Kollegen mehr mit ins Boot holen. Herr Pichelstuber denkt sowieso gerade, dass wir hier die Goldbarren heraustragen würden."
  2. Berater XY: "Zu diesem Thema würde ich auch noch Kollege Pichelberger ins Boot holen":

 

Definition

  • Jemanden in das Team holen oder als Experten zu Rate ziehen.
  • Weitere Ressourcen aufreissen.

 

Anmerkung

  • Möglichkeit für den Berater fehlendes Know-how durch geschicktes Personalmanagement zu kompensieren. Der positive Gesamteindruck beim Kunden bleibt erhalten.
  • Sehr nützlich auch um die persönliche Hausmacht zu festigen.

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